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EIN JAHR NACH DER EXPLOSION „Wir wollen nicht, dass der Hafen von Beirut 2022 chinesisch ist“

Norddeutsche Unternehmen treiben, unterstützt von der Politik, die Aufräumarbeiten und ein Konzept für den Wiederaufbau in der libanesischen Hauptstadt voran – auch mit einem geostrategischen Kalkül.




In einem bis eineinhalb Jahren, sagt Heiko Felderhoff, könne man den Hafen von Beirut „besenrein“ übergeben. Dann könne der Wideraufbau starten.


Es ist eine starke Prognose, die der Chef der Bremer Schwergut-Reederei Combi Lift da abgibt, angesichts der Verwüstungen, die eine Großexplosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt am 4. August 2020 angerichtet hat.


An jenem Dienstag vor fast genau einem Jahr waren in einer Lagerhalle im Hafen von Beirut rund 2750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, ein Material, das zur Herstellung von Kunstdünger wie auch von Sprengstoff verwendet wird. Die Detonation, eine der größten nicht-nuklearen Explosionen bislang überhaupt, legte den 160 Hektar großen Hafen weitgehend in Trümmer. Seismographen nahmen die Explosion wie ein Erdbeben der Stärke 3,5 wahr. 300.000 Häuser und Wohnungen wurden beschädigt oder zerstört, Fensterscheiben barsten noch in 20 Kilometern Entfernung. Nach offiziellen libanesischen Angaben starben mindestens 190 Menschen, rund 6500 wurden verletzt.


Die Explosion zerstörte nicht nur weite Teile der Stadt, sondern auch die geringe noch verbliebene Hoffnung, der Libanon könne aus seiner ewigen Spirale von Korruption, Mißwirtschaft und politisch-religiös motivierter Gewalt allein herausfinden. Jahrelang war das Ammoniumnitrat im Hafen unsachgemäß eingelagert. Die zuständigen Behörden, die davon wussten, unternahmen nichts.


(source, Welt 2.8.21)